Institut für Volkskunde/ Europäische Ethnologie
print

Links und Funktionen

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Grenzen & Differenzen

Grenzen & Differenzen. Zur Macht sozialer und kultureller Grenzziehungen
35. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde, Dresden 2005

Herausgeber:

Thomas Hengartner und Johannes Moser

Redaktion:

Nadine Kulbe, Moritz Ege, Sönke Friedreich, Jens Klingner, Andreas Martin, Johannes Moser

Verlag:

Leipziger Universitätsverlag GmbH
ISSN 1439-782X - ISBN 3-86583-088-9

Grenzen und Differenzen sind zutiefst kulturelle Phänomene. Zielt die Grenze dabei auf den ersten Blick eher auf räumliche Aspekte ab, so wird mit der Erweiterung um Differenzen ihr sozialer Charakter deutlich. Bei Grenzen geht es stets um mehr als feste Markierungen oder Trennlinien; sie können Quelle von Ängsten und Konflikten sein, aber ebenso von Möglichkeiten. Weil sie nie strikte Trennlinien von irgendetwas sind, stellen sie im räumlichen wie im sozialen Sinn Grenzzonen dar, in denen sich spezifische Dynamiken entwickeln. An Grenzen sind Gesellschaften wie Gruppen besonders verwundbar, an ihnen werden Identitäten ent-oder verworfen, an ihnen verschieben und verändern sich kulturelle Kategorien und Bedeutungen. Dies gilt ebenso im abstrakten Bereich der Wissenschaften für Grenzen von Disziplinen, für Diskurse und Konzepte.

Grenzverhandlungen und Grenzverschiebungen sind heute beinahe zu alltäglichen Phänomenen geworden. Grenzen sind also keine statischen Gebilde, sondern Räume der Erfahrung des Unterscheidens und Unterschiedenwerdens. Im Falle von nationalen Grenzen sind Grenzen zwar klar markiert und trennen scheinbar eindeutig das Eine vom Anderen, aber Menschen versuchen immer wieder, Grenzen zu ignorieren und zu überschreiten; insofern werden sie zu Grenzgängern im wirklichen wie im übertragenen Sinn. Grenzen sind also immer auch Deutungen von Menschen und diese Deutungen können sich von vorgegebenen Markierungen unterscheiden. Die dabei entstehenden Handlungsräume sind eingebettet in soziale und kulturelle Praxen, die oftmals eine lange historische Tradition haben. Diesen Handlungsräumen in theoretischer Auseinandersetzung und mittels empirischer Forschung für Geschichte wie Gegenwart nachzuspüren, war das Anliegen des 35. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde in Dresden, dessen Ergebnisse in diesem Band präsentiert werden.