Institut für Volkskunde/ Europäische Ethnologie
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Sozialismus

Sozialismus: Realitäten und Illusionen. Ethnologische Aspekte der sozialistischen Alltagskultur. Herausgegeben von Klaus Roth. Wien, Verlag des Instituts für Europäische Ethnologie 2005. 256 S., 14,50 €, ISBN 3–902029–07–2 (= Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Ethnologie der Universität Wien, Band 24).

Das Leben im „Realsozialismus“ war geprägt durch die immense Spannung zwischen illusionärem ideologischem Anspruch und Alltagsrealität, zwischen der totalitären Herrschaft der Partei und dem Eigensinn der Menschen. Keines der „sozialistischen Projekte“ war langfristig erfolgreich, doch schuf der Sozialismus seine eigene, spezifische Lebenswelt, der sich niemand entziehen konnte.

Anliegen des Bandes ist die Aufarbeitung der sozialistischen Alltagskultur im südöstlichen Europa sowie der schwierigen Rolle der Volkskunde vor und nach der Wende. Zwanzig Autoren aus Bulgarien, Serbien, Österreich und Deutschland behandeln konkrete Aspekte der sozialistischen Alltagskultur - vom Hausbau im Zeichen der Mangelwirtschaft, den Plattenbauten, den „Häusern der sozialistischen Kultur und Lebensweise“ und den zahllosen Betriebsfesten bis hin zu der „kleinen Korruption“, der Mehrfachbelastung der Frauen und der Subkultur der Jugendlichen.

Angesichts verbreiteter Sozialismus-Nostalgie ist die kritische Analyse des realsozialistischen Alltags eine ebenso notwendige Aufgabe wie die Aufarbeitung der politischen Instrumentalisierung der Volkskunde, des Wirkens ihrer Vertreter und des schwierigen Neubeginns nach der Wende.

Bestellung:

Institut für Volkskunde/Europäische Ethnologie
der Ludwig-Maximilians-Universität München
Ludwigstr. 25
D – 80539 München
Tel. +49 89 2180-2348
Fax +49 89 2180-3507

Inhalt

  • Klaus Roth: Vorwort
  • Facetten des sozialistischen Alltags
  • Doroteja Dobreva, Sofia: Ein eigenes Haus bauen. Über die Nutzung sozialer Netzwerke im sozialistischen Dorf
  • Ivan Nikolov, Sofia: Der Plattenbau – Realität ohne Illusionen
  • Margarita Harbova, Sofia: Die architektonischen Zeichen des Sozialismus –Entpersönlichung, Entfremdung, Gigantomanie
  • Petăr Petrov, München/Sofia: Lesen nach Plan. Sozialistische Agrarmodernisierung und Lektüre in einem bulgarischen Dorf
  • Ženja Pimpireva, Sofia: Die „Häuser der sozialistischen Kultur und Lebensweise“ und die bulgarischen Feiertage
  • Ivanka Petrova, Sofia: Betriebsfeste im sozialistischen Bulgarien – Ideologie und soziale Praxis
  • Gabriele Wolf, München: „Herrschaft“ und „Eigensinn“. Zur Analyse der real-sozialistischen Lebenswelt
  • Sozialbeziehungen – Gender – Familie
  • Milena Benovska-Săbkova, Sofia: Ist die „kleine Korruption“ wirklich klein? Eine Fallstudie im Bereich des Bildungswesens zur Zeit des Sozialismus und des Postsozialismus in Bulgarien
  • Miroslava Malešević, Belgrad: Die gesellschaftliche Gleichberechtigung von Männern und Frauen im sozialistischen Jugoslawien: Aufbau- und Ausbaujahre
  • Ana Luleva, Sofia: Die „Frauenfrage“ im sozialistischen Bulgarien zwischen Ideologie, Politik und Realität
  • Karin Taylor, Graz: „Our Own Rhythm of Life“. Young People and Marriage in Bulgaria in the 1960s and 70s
  • Jadranka Djordjević, Belgrad: Die Gleichberechtigung der Geschlechter bei Erbschaften: Realität oder Illusion?
  • Evgenija Krăsteva-Blagoeva, Sofia: Bilder der Bulgarin in der Epoche des Sozialismus
  • Elka Minčeva, Sofia: Verbrüderung 1987 im Kreis Devin Massenmediale und ethnographische Aspekte
  • Mirela Dečeva, Sofia: Erinnerungen an die Zukunft. Das in den 1990er Jahren konstruierte Bild des Sozialismus
  • Sozialismus und Volkskunde/Ethnologie
  • Reinhard Johler, Tübingen: Re-thinking Socialism and Culture in Germany. An Ethnological Approach
  • Klaus Roth, München: Die Erforschung der sozialistischen und postsozialistischen Alltagskultur: der Blick von innen und der Blick von außen
  • Gert Dressel, Anelia Kassabova, Nikola Langreiter, Wien und Sofia: Politik – wissenschaftliches Arbeiten – akademische Biographien. Brüche und Kontinuitäten