Institut für Volkskunde/ Europäische Ethnologie
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Prekärer Ruhestand. Arbeit und Lebensführung von Frauen im Alter

Forschungsprojekt, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG):
Laufzeit 01.01.2015-31.03.2018

Diese explorative Studie widmet sich einem brisanten gesellschaftspolitischen Problem: der Prekarisierungserfahrung von Frauen im Rentenalter. Wenngleich bekannt ist, dass zunehmend Frauen aufgrund ihrer Erwerbs- und Familienbiografien im Alter materiell nicht abgesichert sind, so wurden doch deren geleistete Formen der Bewältigung von (drohender) Altersarmut bislang kaum untersucht. Basierend auf biografischen Fallrekonstruktionen, soll vertieft ausgeleuchtet werden, (1) aufgrund welcher biografischer Verläufe und milieuspezifischer Dispositionen Frauen im Alter prekär, d.h. nicht ausreichend abgesichert (mit entsprechenden psychosozialen Folgeproblemen) leben und wirtschaften (2) welche Formen von „agency“, d.h. Handlungsmacht, sie aufbringen, um ihren Alltag und (drohenden) sozialen Abstieg nach der Rente zu bewältigen.
Ausgangspunkt sind Befunde, die nahelegen, dass sich geschlechtsspezifische Unterschiede im Rentenalter fortsetzen. Außerdem wird hier Bourdieus Konzept der Kapitalsorten, die je nach Stellung im sozialen Raum unterschiedlich verteilt sind, gefolgt, wenn das Sample zum einen aus abstiegsgefährdeten Frauen aus der Mittelschicht gebildet wird und zum anderen aus Frauen aus einem unterprivilegierten Milieu. Es wird gefragt, inwiefern die milieuspezifische Zusammensetzung der Kapitalien jeweils unterschiedliche Voraussetzungen bietet, Altersarmut zu bearbeiten.


Die Untersuchung basiert auf biografischen Interviews mit älteren Frauen in München, wobei die Innensichten und Selbstbilder durch Außensichten - teilnehmende Beobachtungen im alltäglichen Lebensumfeld - ergänzt werden. Die Interviews werden zu Fallporträts verdichtet und dabei werden Prekarisierungserfahrungen in ihrer Verwobenheit mit makrostrukturellen Problemlagen (umgebauter Sozialstaat, demografischer Wandel, Singularisierung des Alters) dargestellt. Ziel ist es, die oft polarisierenden Altersbilder – Drohszenarien von Altersarmut einerseits und „Active Ageing“ als neuer Altersprogrammatik und ökonomischer Ressource andererseits – zu ersetzen durch einen differenzierten Blick auf die im Alltag entwickelten Taktiken, Praktiken und Kompetenzen von Frauen im Rentenalter, um so, auch gerade für die soziale Arbeit und Politik, ein vielschichtiges und akteursnahes Bild weiblichen Alter(n)s zu zeichnen.


Die europäisch ethnologische Arbeitsforschung kann hier praxeologische Ansätze liefern, um den Blickwinkel von der Strukturanalyse drohender oder eingetretener Altersarmut auf die alltäglichen Formen ihrer aktiven Bearbeitung zu erweitern. Ein Arbeitsbegriff, der nicht auf Erwerbsarbeit verkürzt ist, ist hier hilfreich, um Formen von (Re-)Produktionsarbeit, Tauschökonomien, Subsistenz, Tätigkeits- und Einkommensbricollagen, mit in die Untersuchung hineinzunehmen. Mit dieser neuen thematischen Facette arbeitsethnografischer und biografischer Forschung wird dazu beigetragen, eine Ethnografie des Alter(n)s in der Europäischen Ethnologie zu etablieren.

 

Projektleitung:
Prof. Dr. Irene Götz, München
Institut für Volkskunde/Europäische Ethnologie
Ludwig-Maximilians-Universität München
Oettingenstr. 67
80538 München

i.goetz@vkde.fak12.uni-muenchen.de

 

Projektkoordination und wissenschaftliche Mitarbeit:
Alexandra Rau M.A.
Institut für Volkskunde/Europäische Ethnologie
Ludwig-Maximilians-Universität München
Oettingenstr. 67
80538 München

a.rau@vkde.fak12.uni-muenchen.de

 

wissenschaftliche Hilfskraft:

Noémi Sebök-Polyfka M.A.
Institut für Volkskunde/Europäische Ethnologie
Ludwig-Maximilians-Universität München
Oettingenstr. 67
80538 München

n.seboek-polyfka@vkde.fak12.uni-muenchen.de

 

wissenschaftliche Hilfskraft:

Petra Schweiger M.A.
Institut für Volkskunde/Europäische Ethnologie
Oettingenstr. 67
D-80538 München

pet.schweiger@gmail.com

in Zusammenarbeit mit:
Dr. Esther Gajek
Vergleichende Kulturwissenschaft
Universität Regensburg
Universitätsstraße 31
93053 Regensburg

esther.gajek@sprachlit.uni-regensburg.de


weitere Kooperationspartner:

  • Prof. Dr. Daniel Drascek, Vergleichende Kulturwissenschaft, Universität Regensburg
  • Prof Dr. Stefan Pohlmann, Gerontologie, Hochschule München
  • Dr. des. Katrin Lehnert, Berlin