Institut für Volkskunde/ Europäische Ethnologie
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Fach- und Institutsprofil

Volkskunde/Europäische Ethnologie ist eine empirische Kulturwissenschaft, die kulturelle Phänomene der europäischen Gesellschaften in Geschichte und Gegenwart untersucht und analysiert. Der Schlüsselbegriff Kultur stellt dabei ein soziales Handlungs- und Ordnungssystem dar, das allerdings nicht starr fixiert ist, sondern als eine Form gesellschaftlicher Praxis verstanden werden muss, in deren Rahmen die Menschen in einem fortwährenden Prozess jene Regeln aushandeln, die sie für die Organisation ihres Alltags und ihres Zusammenlebens benötigen.

Als Disziplin ist die Volkskunde/Europäische Ethnologie ein typisches Kind der Moderne. So reichen ihre Wurzeln bis zur Kameralistik des 18. Jahrhunderts zurück, und das Fach etablierte sich im 19. Jahrhundert als Reaktion auf die massiven Transformationsprozesse in den industriellen Gesellschaften, in deren Folge sich ein spezifisches Interesse für die im Verschwinden begriffene Kultur des „einfachen Volkes“ entwickelte.

Geblieben ist davon das Interesse für die (Alltags)Kultur breiter Bevölkerungsschichten und für die Veränderungsprozesse, die von den europäischen Gesellschaften fortwährend durchlaufen werden. Erweitert wurde dieses Spektrum im Laufe der Zeit unter anderem durch eine vergleichende Betrachtung europäischer Gesellschaften – zunehmend in ihrer globalen Vernetzung. Besonderes Augenmerk verdient dabei der Alltag bzw. die Alltagskultur aus der Perspektive der Menschen als handelnde Akteure, die mittels spezifischer Verfahren der Kulturanalyse untersucht werden. Eine solche Betrachtung schließt die Analyse von politischen, ökonomischen, medialen und wissenschaftlichen Handlungsfeldern ebenso ein wie von sozialen Ungleichheiten und Machtverhältnissen – immer bezogen auf die in diesen Feldern agierenden Menschen.

Je nach Forschungsfeld, räumlicher und zeitlicher Ausrichtung sowie Fragestellung arbeitet die Volkskunde/Europäische Ethnologie mit verschiedenen Methoden empirischer wie auch historischer Forschung: z.B. stationäre, mehrörtige und/oder begleitende Feldforschung; (teilnehmende) Beobachtung, qualitative Interviews (themenzentriert, lebensgeschichtlich etc.), Quellenstudium und –analyse, Inhaltsanalyse, Mental Maps, Kartierungen etc..

In München wird die gesamte Palette volkskundlich/europäisch-ethnologischer Wissensvermittlung angeboten. Diese reicht von der Analyse kultureller Phänomene in der „eigenen“ Gesellschaft über die Untersuchung kultureller Phänomene in anderen europäischen Gesellschaften bis hin zu Prozessen der Europäisierung, der Transnationalisierung, der Migration sowie des Kulturvergleichs und Kulturtransfers. Zeitlich reicht das Spektrum von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, wobei sicherlich die Zeit vom 19. bis zum 21. Jahrhundert im Zentrum steht. In seiner historischen Ausrichtung ist dem Fach dabei an einer historischen Anthropologie mit einem besonderen Augenmerk auf eine Sozialgeschichte regionaler Kulturen gelegen.

In der Forschung werden in München folgende Schwerpunkte gesetzt (siehe dazu insbesondere unter „Forschungsprojekte“):

  • Europäisierung
  • Stadt
  • Arbeitskultur
  • Osteuropa
  • Kulturtransfer
  • Migration
  • Tourismus
  • Transnationalisierung
  • Regionale Kulturphänomene der Alpenländer
  • Gender
  • Nationalismus/nationale Identitätskonstruktionen
  • Ländliche Gesellschaft
  • Familienforschung